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Jenseits des weißen Blicks

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Lesung mit Tupoka Ogette „exit RACISM“ im Landratsamt

Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Rassismuskritisch denken lernen – so lautete das Thema der Veranstaltung, zu der das Büro für Integration kürzlich ins Kreishaus Groß-Gerau eingeladen hatte. Tupoka Ogette eröffnete die interaktive Lesung ihres Buches „exit RACISM“ mit den Worten: „Rassismus hat viele Gesichter.“ Für die studierte Afrikanistin und Wirtschaftswissenschaftlerin hatte es verschiedene Gründe gegeben, darüber zu schreiben. Einer davon: Menschen brauchen Wissen, um einen Prozess des Umdenkens zu beginnen. Das Interesse an dem Thema war groß: Mehr als 40 Besucher ließen sich von der Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung auf eine Reise mitnehmen, die deutlich machte, dass auch in unserer Demokratie Rassismus noch immer allgegenwärtig ist. Die Veranstaltung des Netzwerks gegen (Rechts-)Extremismus und Rassismus im Büro für Integration des Kreises Groß-Gerau fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Unterstützt wurde die Workshop-Leiterin von ihrem Mann Stephen Lawson.

Doch was ist Rassismus und wo beginnt er? Tupoka Ogette sprach in diesem Zusammenhang von den „Privilegien der Weißen“. Um diese zu veranschaulichen, ließ sie Zuhörer Beispiele vortragen. Es fielen Sätze wie: „Ich muss mir keine Gedanken machen, dass ich wegen meiner Hautfarbe von der Polizei angehalten werde.“ Oder: „Ich kann mich frei dazu entscheiden, mich mit dem Thema Rassismus zu beschäftigen, ohne dass ich im Alltag damit ständig konfrontiert werde.“  Was für „weiße“ Menschen ganz alltäglich sei – bei der Wohnungssuche oder der Jobsuche nicht an die Hautfarbe denken zu müssen – stelle für People of Color eine Herausforderung dar.

Schnell wurde an diesem Abend deutlich: Es ist gar nicht so leicht, über das Thema zu sprechen. „Im Gegenteil, das kostet Überwindung“, sagte Ogette. Das ist ein Ziel der Autorin. Tupoka Ogette möchte unsichere Menschen im Prozess des Umdenkens begleiten. Ihr Buch ist laut eigener Aussage ein „interaktives Mitmachbuch“. Im Buch sind Links und QR-Codes abgedruckt, damit Leserinnen und Leser Erfahrungsberichte von ehemaligen Studenten in Bezug auf Alltagsrassismus hören können. „Rassismus verschwindet nicht, nur weil wir ihn nicht sehen und benennen können“, sagte Tupoka Ogette.

Rassismuskritisch denken lernen sei heute angesichts der politischen Verhältnissen eine Notwendigkeit, bekräftigte auch der Kreistagsvorsitzende Gerald Kummer. Er zitierte die berühmten Worte von Martin Luther King „I have a dream“ und lobte die Weltoffenheit des Kreises Groß-Gerau. „Mein Traum ist es, in einer Gesellschaft zu leben, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Helfen Sie mit, mir diesen Traum zu erfüllen.“

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