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Landrat eröffnet Ausstellung über Diskriminierung von Homosexuellen

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KREIS GROSS-GERAU – Landrat Thomas Will und Susanne Stedtfeld, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, haben am gestrigen Montag im Kreishaus Groß-Gerau die Ausstellung „Unverschämt: Lesbische Frauen und schwule Männer in Hessen von 1945 bis 1985“ eröffnet. Bis zum 30. Mai 2018 wird die Schau in Groß-Gerau zu sehen sein. Vor der Eröffnung hatten Will und Stedtfeld die Regenbogenflagge am Kreishaus gehisst: Die Ausstellung ist Teil einer Veranstaltungsreihe zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT), die das Büro für Frauen und Chancengleichheit des Kreises im Rahmen des Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus konzipiert hat. „Der Kreis Groß-Gerau steht für Vielfalt und Offenheit und möchte sich mit all jenen Menschen solidarisieren, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Orientierung weltweit angefeindet, bedroht oder verfolgt werden“, sagte Landrat Will. Seit 2005 wird der Gedenktag IDAHOT am 17. Mai begangen.

Die Ausstellung  präsentiert auf Text- und Bildtafeln sowie vielen Dokumenten Ergebnisse des Forschungsprojekts „Aufarbeitung der Schicksale der Opfer des ehemaligen §175 StGB in Hessen“, das im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration durch das Schwule Museum Berlin durchgeführt wurde. Gleichstellung sei mehr als nur Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern Respekt vor der Vielfalt, sagte Landrat Thomas Will. Hierzu könne die Ausstellung ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Gesellschaft entwickele sich aktuell auseinander, so Will: Einerseits werde man toleranter, offener, die rechtliche Gleichstellung der Ehe sei dafür ein Beispiel. Andererseits nähmen Anfeindungen und Gewalt gegen Menschen, die sich zu Homo- und Transphobie oder Intersexualität bekennen würden, zu. Landrat Will wies darauf hin, dass im Dezember 2017 der Kreistag des Kreises Groß-Gerau den Kreisausschuss beauftragt hat, die Sensibilisierung und Beratung für homo- und transsexuelle Menschen durch „außerschulische Jugendarbeit weiterzuführen und auch für den Bereich der Erwachsenenbildung auszuweiten“.  So solle der Kreisausschuss sicherstellen, dass die sexualpädagogische Beratungsstelle pro familia den Schwerpunkt der geschlechtlichen Vielfalt in ihrem Profil weiter ausbauen kann.

Die Ausstellung bringe Licht in ein dunkles Kapitel von Ausgrenzung und Abwertung, sagte Susanne Stedtfeld bei der Eröffnung der Wanderausstellung. „Wir wollen die Akzeptanz für Menschen fördern, die lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, intergeschlechtlich oder queer sind“, sagte Stedtfeld. Ein Fokus der Ausstellung liege auf den staatlichen Repressalien, die jahrelang im Zeichen des ehemaligen §175 StGB begangen wurden, wonach einvernehmlicher Sex zwischen Männern strafbar war. Dieser Paragraf habe Männern ihrer Würde beraubt, Lebenswege zerstört, Leid verursacht. Gleichzeitig schlage die Ausstellung eine Brücke in die aktuelle Zeit und dokumentiere die lange Geschichte der Emanzipationsbewegungen der lesbischen Frauen und schwulen Männer.

Die Aufarbeitung der Schicksale der Opfer des ehemaligen § 175 StGB in Hessen ist der Hessischen Landesregierung ein wichtiges Anliegen – darauf wies auch  Staatssekretär Kai Klose vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration am Montag in Wiesbaden hin. „Das kommt in der unabhängigen wissenschaftlichen Forschung zum Ausdruck, die wir zu diesem Thema finanzieren, aber in besonderer Weise auch durch die Wanderausstellung „Unverschämt“, die nun in Groß-Gerau zum ersten Mal außerhalb Wiesbadens Station macht, worüber ich mich sehr freue.“

„Uns war von Beginn an wichtig die Verfolgung lesbischer Frauen und schwuler Männer gleichermaßen in den Blick zu nehmen um die vielschichtigen Hintergründe der staatlichen Unterdrückung sexueller Vielfalt in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik zu verstehen“, so Klose. Die Konzeption der Ausstellung spiegele diese Sichtweise, indem sie Befunde zur Verfolgung von Lesben und von Schwulen miteinander in Bezug setze.

„Dabei beschönigt sie nichts. In eindrucksvoller und bedrückender Weise werden die belastete Lebenssituation schwuler Männer und lesbischer Frauen in Hessen zwischen 1945 und 1985, das damals herrschende gesellschaftliche Klima und die Ausgrenzung und Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Liebe dokumentiert“, so Klose. „Eine besondere Qualität der Konzeption liegt aber gerade darin, dass Lesben und Schwule nicht in ihrer Opferrolle festgeschrieben werden. Deshalb nehmen die Emanzipationsbewegungen und die Aufbruchsstimmung ab den siebziger Jahren einen sehr prominenten Platz in der Ausstellung ein.“

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