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„Wir sind die Mehrheit“

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Treffen des Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus

Foto: Kreisverwaltung Groß-Gerau

KREIS GROSS-GERAU – Kooperation, gemeinsame Positionierung, regelmäßiger Austausch, und kritische Auseinandersetzung mit neuen und alten Erscheinungsformen von Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – darum geht es im kreisweiten Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Im Landratsamt haben sich Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Vereinen, Gewerkschaften und Institutionen aus dem ganzen Kreisgebiet zum Vernetzen und Austauschen getroffen. Im Fokus des kreisweiten Netzwerk-Treffens stand die gemeinsame Erarbeitung und Reflexion aktueller Themen und die zukünftige Zusammenarbeit. „Über ein Thema waren sich alle ausnahmslos einig: Wir sind die Mehrheit! Im Landkreis Groß-Gerau haben Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit keinen Platz und das muss in der Öffentlichkeit immer wieder betont werden. Hier im Kreis gibt es Bündnisse und Initiativen, Schulen und Vereine, Menschen, die sich schon seit Jahrzehnten für Demokratie und Menschenrechte einsetzen“ sagte Nilüfer Kuş.

Als Koordinatorin des Netzwerks, das im Büro für Integration der Kreisverwaltung Groß-Gerau verortet ist, hat sie ihre Arbeit im Juni 2017 aufgenommen. „Wir verstehen uns als Kompetenzzentrum und Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürgern und Fachkräfte bei allen Facetten von Rechtsextremismus und Rassismus. Unser Ziel ist es, die vorhandenen Stärken aller Akteure gegen Rechts hervorzuheben sowie Vernetzung und Unterstützung anzubieten.“

Die politische Unterstützung ist dem Netzwerk gewiss. Landrat Thomas Will betonte in seiner Rede, dass die notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema eine langfristige Sache sei. „Mitunter entsteht der falsche Eindruck, dass Rechtsextremismus und Rassismus Phänomene seien, die mal kommen und dann wieder gehen. Das ist nicht so. In Wahrheit reden wir von politischen Einstellungen, die längst in der Mitte der Gesellschaft verankert sind“, sagte der Landrat. Oft seien menschenverachtende und ausgrenzende Haltungen latent, unbewusst und pauschalisierend in der Alltagssprache präsent und kämen mitunter unreflektiert als Witz oder vermeintlich gut gemeinte Bemerkung daher. „Aussagen wie ,Sie sprechen aber gut Deutsch´ oder ,Man sieht es Ihnen aber gar nicht an, dass Sie Türkin der Jüdin sind´ sind diskriminierend und rassistisch“, so der Landrat.

Rechtsextremes Gedankengut finde sich überall und in jeder Altersgruppe. Neu sei heute vielleicht das systematische Vorgehen und das Selbstbewusstsein der sogenannten Neuen Rechten. „Früher waren es überwiegen gewalttätige Männer mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel. Diese äußere Symbolik wurde aufgegeben, an ihre Stelle sind Jugendkulturen und Bewegungen getreten, die Ängste schüren und instrumentalisieren und damit rassistisches Gedankengut im öffentlichen Diskurs legitimieren. Wir merken, dass Rassisten und Rechtsextremisten heute sehr strukturiert und professionell arbeiten“, so Landrat Will. Rechte kämpften um Deutungshoheit im öffentlichen Diskurs. „Auch deshalb dürfen wir Demokraten unsere Haltung nicht für uns behalten, sondern müssen sie auch zeigen. Wir müssen damit laut und präsent werden. Wir müssen uns den Debatten auch in den sozialen Netzwerken stellen.“

Den Georg-Büchner-Saal hatten Gruppen mit ihren Ständen in einen „Courage Basar“ verwandelt. Über ihre Arbeit informierten unter anderen die Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Schule aus Rüsselsheim (Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage), die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, Werner-Heisenberg-Schule und Kreisjugendförderung, das Groß-Gerauer Aktionenbündnis gegen Rechtsextremismus, das Beratungsnetzwerk Hessen, Regionalstelle Süd, sowie die pädagogische Fach- du Beratungsstelle „Rote Linie“. Informationen gab es zudem zum Projekt „IKARus“, das Ausstiegshilfen beim Thema Rechtsextremismus anbietet.

Für 2018 sind noch folgende Veranstaltungen geplant: Bis zum 29. Juni 2018 ist die Ausstellung „Rechtsaußen – Mittendrin“ des Beratungsnetzwerks Hessen im Foyer des Kreishauses zu sehen. Am 2. September steht in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule der Vortrag von Volker Siefert mit anschließendem Workshop zum Thema „Fake News, Halbwahrheiten und Co“ auf dem Programm. Im Oktober wird ein Fachvortrag über die „Reichsbürger“ angeboten, ebenso eine Fortbildung in Kooperation mit dem Büro für Frauen und Chancengleichheit des Kreises Groß-Gerau zum Thema „Coming-Out, Homosexualität und Transidentität bei Schülerinnen und Schülern.

Weitere Veranstaltungen, auch für das kommende Jahr, werden anlehnend an die Ergebnisse aus dem Netzwerk-Treffen organisiert.

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